Projekt

Eine digitale Edition der Briefe Louise Dumonts an Gustav Lindemann


Die Quelle

Was verraten Briefe über ihre Zeit? Als wesentliches Kommunikationsmedium des 19. und frühen 20. Jahrhunderts geben sie Einblick in Alltag, Denken und Fühlen ihres Schreibers. Sie archivieren die Person des Schreibers ebenso wie des Lesers in ihrer Zeit.
Mehrmals täglich schrieb Louise Dumont Briefe, kurze und längere Nachrichten – an Kolleginnen und Kollegen, Künstler, Intellektuelle, Freunde - und, wenn sie nicht gemeinsam in Düsseldorf weilten – an Gustav Lindemann.
Die über einen Zeitraum von 27 Jahren geschriebenen Briefe dokumentieren nicht nur die Beziehung des Liebes- und Ehepaares, sondern spiegeln auch ein Stück Düsseldorfer Zeit- und Stadtgeschichte wider.
Der Nachlass des Intendatenehepaares Louise Dumont und Gustav Lindemann, aus dem die Briefe stammen, bilden den Grundstock und einen Kernbestand des Theatermuseums Düsseldorf, das aus dem 1938 von Gustav Lindemann gebildeten “Dumont-Lindemann-Archiv” entstand.
Bereits im Jahr 1948 veröffentlichte der Krefelder Schriftsteller und Theaterkritiker Otto Brües (1897-1967) aus dem Nachlass ausgewählte Briefe Louise Dumonts an Gustav Lindemann unter dem Titel: “Lebensfeiertag. Briefe an Gustav Lindemann” (Verlag Karl Alber, München 1948). Die Publikation, die unter tatkräftiger Mithilfe Gustav Lindemanns entstand – welcher übrigens seine Briefe an Dumont nicht veröffentlicht wissen wollte – will vor allem dem Nimbus der großen Intendantin und liebenden Partnerin gerecht werden: “Es sind die Briefe der Tragödin und Prinzipalin, die da, wo sie liebte, niemals auf der Bühne stand, keinen Vorhang kannte, keine Kulisse, kein Rampenlicht und nur das Leuchten des Herzens.” (Lebensfeiertag, S. 12)
Der “Lebensfeiertag” ist also keine wissenschaftlich-kritische Edition: Präsentiert wird nur eine Auswahl, die spärlichen Briefkommentare sind knapp gehalten und häufig aus den persönlichen Erinnerungen Lindemanns rekonstruiert. Was dem Herausgeber für das Leseverständnis nicht wichtig erschien, wurde gekürzt und Beschwerden bzw. Lästereien über vielleicht 1948 noch lebende Personen weggelassen.
So sind diese Briefe besonders geeignet, Studierende an die Vorgehensweisen und Methoden bei der Herstellung einer wissenschaftlichen Briefedition heranzuführen.


Das Projekt

In einem vom Lehrförderungsfonds der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf geförderten zweisemestrigen Projektseminar (SS 2012, WS 2012/2013) des An-Instituts “Moderne im Rheinland” haben Studierende einen Teil der  Briefe Louise Dumonts an Gustav Lindemann transkribiert, kommentiert und für eine digitale Edition vorbereitet. Neben Vollständigkeit, wissenschaftlich fundierter Kommentierung und Beibehaltung der ursprünglichen Orthographie und Interpunktion wurde vor allem auf eine möglichst unkomplizierte digitale Darstellung der Transkriptionen Wert gelegt.  So werden Streichungen, Unterstreichungen und nachträglich über den Text eingefügte Worte und Passagen grafisch illustriert. Seitenumbrüche in der Original-Handschrift werden durch das Zeichen | kenntlich gemacht. Auf die grafische Darstellung nachträglich eingefügter Sätze, die quer über dem Rand bzw. über dem eigentlichen Brieftext auf dem Kopf stehen, wurde hingegen verzichtet. Hingewiesen werden muss auch auf die ursprüngliche Seitenfolge: Louise Dumont schrieb häufig auf ineinander gefaltete Briefbögen. Die hier neben den Transkriptionen zu findenden Reproduktionen zeigen die Briefbögen in aufgefaltetem Zustand, so dass der Originalzustand bei der Lesefolge berücksichtigt werden muss.
Da kaum ein Brief genau datiert ist, wurde die Reihenfolge aus dem “Lebensfeiertag” – sofern die Briefe dort abgedruckt sind – übernommen. Hinweise auf die Chronologie bieten die später vermutlich von Gustav Lindemann oder Otto Brües hinzugefügten Datierungen sowie die Initialen “LF” (Lebensfeiertag) mit Seitenzahl auf den Originalbriefen.
Die transkribierten Briefe wurden nach den Richtlinien der Text Encoding Initiative, TEI (Version P5) ausgezeichnet. Als Grundlage für die xml-basierte Auszeichnung diente Peter Stadlers “TEI P5 for correspondence”, welches der Autor, ein Mitarbeiter der Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe, unter einer Creative Commons Attribution 3.0 Unported License lizensiert hat.

Dieses Projekt wird auch nach dem Abschluss des Seminars fortgesetzt: Nach und nach sollen alle Dumont-Briefe an Lindemann mit den Scans der Originale auf diesen Seiten präsentiert werden.

 

Louise Dumont und das 20. Jahrhundert. Eine Kulturgeschichte in Briefen und Lebensdokumenten

Seit 2007 erforscht das Institut “Moderne im Rheinland” an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Kooperation mit dem Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf die Korrespondenzen Louise Dumonts. 2013 erscheint der erste Band, der die Jahre 1886-1904, von den ersten Auftritten Louise Dumonts in Berlin, über Wien, Stuttgart, Petersburg und Moskau, und schließlich wieder Berlin, bis ihre Pläne zur Theatergründung in Düsseldorf ein Ziel finden.
Die Korrespondenzen bilden einen Querschnitt durch die Kulturgeschichte des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, insbesondere die bewegten Theaterlandschaften, mit den späten Hoftheatern und neuen Privattheatern, werden in den Briefen von und an Adolf von Wilbrandt, Otto Brahm, Julius von Werther oder Oscar Blumenthal abgebildet, aber auch das Selbstverständnis des Schauspielberufes, Selbstverständnis des künstlerisch Schaffenden und Wirkenden zur Jahrhundertwende werden thematisiert, z.B. von Gertrud Eysold, Josef Levinsky, Adolf Klein, Herbert Eulenberg, Caesar Flaischlen oder Arthur Schnitzler. Mit Intellektuellen wie Walther Rathenau oder Harry Graf Kessler verständigt sich Louise Dumont über Theatergründungen, kurzum, über den Stellenwert von Kultur in ihrer Zeit.

Das Forschungsprojekt “Louise Dumont und das 20. Jahrhundert. Eine Kulturgeschichte in Briefen und Lebensdokumenten” wird ermöglicht durch die Förderung  der Gerda Henkel Stiftung, der Kunststiftung NRW und dem Landschaftsverband Rheinland.

 

2 Responses to Projekt

  1. Eva Pfister

    Liebe Projektarbeiterinnen,
    so schön die digitale Briefausgabe ist – kommt denn nun bald der erste Band mit den Briefen als Buch?
    Ich würde mich freuen, frühzeitig darüber informiert zu werden, dann kann ich Rezensionen anbieten.

    Mit Dank und freundlichen Grüßen

    Eva Pfister

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